plakativ pointiert

Politische Korrektheit – Vom Modewort zur Binsenweisheit

by th

Ja, sie haben schon ganze Arbeit geleistet, die Verhunzer der deutschen Sprache.
Natürlich alles für eine gute Sache, unter dem wohlklingenden Namen „political correctness“.
Manchmal hat man allerdings den Eindruck, dass es sich hierbei nicht um politische Korrektheit sondern eher um politische Bescheuertheit handelt.
Sprachschöpfungen wie „liebe Mitgliederinnen und Mitglieder“ sind da eigentlich nur die Spitze der lächerlichen Auswüchse. Bei der Gesamtheit der Bevölkerung könnte man eigentlich davon ausgehen, dass es sich um „die Bürger“ handelt. Aber weit gefehlt, wer heute nicht auch noch die verweiblichende Sprachform gebraucht, hat schon den ersten dicken Fehler begangen. Also sagt man brav „liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Studentinnen und Studenten“ usw. Und wer sich nicht dran hält, fühlt sich mittlerweile irgendwie unbehaglich. Das gilt insbesondere für die Medien.
Interessant ist bei dieser „femininen Schreibweise“, dass sie so gut wie nie bei negativen Anlässen gebraucht wird. Natürlich brauchen wir mehr Professorinnen und Lehrerinnen. Wenn aber  in den Medien zu hören und zu lesen ist, dass eine CD mit Steuerdaten angeboten wurde, dann immer nur deshalb, um Steuerhinterziehern auf die Spur zu kommen – Steuerhinterzieherinnen gibt es offenbar nicht. Das gilt im übrigen auch für sonstige negativen Handlungen. Hier werden im Regelfall die Hintermänner und Drahtzieher gesucht, eine weibliche Form ist in solchen Fällen offenbar nicht vorgesehen.Ein Unfug, den wahrscheinlich auch die meisten Frauen nicht nachvollziehen können. Mitunter möchte man nur noch verständlislos den Kopf schütteln, wenn man hört und liest, wie „sauber und korrekt“ die deutsche Sprache mittlerweile geworden ist. Was war eigentlich schlimm daran, dass der Bäcker an der Ecke einen „Mohrenkopf“ anbot; glaubt jemand im Ernst , dass dadurch ganze Volksgruppen beleidigt oder lächerlich gemacht werden sollten ? Heute ist der „Mohrenkopf“ so ernst, dass er aus dem Sprachgebrauch völlig gestrichen worden ist.
Die Beispiele ließen sich noch beliebig fortsetzen, vor allem auch bzgl. deutscher Redewendungen.
Mittlerweile darf einem nichts mehr spanisch vorkommen,“schwedische Gardinen“ sind auch anrüchig und „einen Türken“ darf man schon gar nicht nicht mehr bauen – es könnte sich ja irgendwer beleidigt fühlen. Es ist kaum noch zu fassen, hat man es denn nur noch mit sprachlichen Duckmäusern zu tun ?
Das gilt z.B. auch für ARD und ZDF. Da funktioniert das so: zunächst kommt die Meldung, dann der entsprechende Kommentar. Dieser Kommentar ist in den seltensten Fällen ausgewogen, im Gegenteil, er versucht, den Zuschauern eine ganz bestimmte Meinung beizubiegen; vordergründig gutmenschlich, mit hohem Betroffenheitsfaktor.
Die Meinungsmafia sitzt mittlerweile überall fest im Sattel und bestraft Abweichler gnadenlos .
Die Angst vor den selbsternannten Sprachschützern und Meinungshütern scheint allgegenwärtig .Das erinnert fatal an eine moderne Form der Inquisition. Intoleranz im Namen der Toleranz – da kann einem wirklich nur noch angst und bange werden.

Freiheit

by tb

 

„Alle, die von Freiheit traeumen,
Sollen’s Feiern nicht versaeumen,
sollen tanzen auch auf Graebern.

Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zaehlt.
Freiheit, Freiheit,
Ist das einzige, was zaehlt.“

                                                                                                   Westernhagen – Freiheit

Weder Schall, noch Rauch

 

Er ist tot.

Endlich ist der Weg für den Neuanfang Libyens frei, das größte Hindernis hat vorzeitig, oder wohl eher verspätet, sein Zeitliches gesegnet.

In den Sphären des Internets allerdings resultierte aus der frohen Botschaft nur die gewöhnliche Entrüstung, sowieso ist es naiv, etwas anderes zu erwarten. Die Beziehungen diverser Politiker zu Gaddafi in der Vergangenheit, das Verletzen von Menschenrechten und der Klassiker – der ach so neoimperialistische Westen – wurden in typisch linker pseudo-Moral durchexerziert.

Ich aber freute mich bloß. Es war nicht mal die Freude über das potenzielle Ende (oder den Anfang) der Auseinandersetzungen, mich befriedigte einfach nur der Tod dieses Menschen. Die Welt war nun ein Stückchen besser geworden.

Die reinste Komödie ist beispielsweise der Artikel „Hillary Clinton lacht über den Mord an Gaddafi“ des Blogs „Alles Schall und Rauch“. Schon der einleitende Satz lässt die später folgenden Argumentationen erahnen, so versteht jeder Grundschüler wie nichtssagend eine solche Begründung – „Ja es war ein kaltblütiger Mord, denn er wurde lebend gefangen und danach kaltblütig ermordet.“ – ist. Für den untalentierten Autor, dafür umso begabteren Freizeitverschwörungstheoretiker müssen Tage wie diese der Himmel auf Erden sein. Die damit einhergehende Euphorie würde unkluge Betrachtungen wie „Warum musste er sofort sterben und durfte nicht vor Gericht stehen? Weil er sonst sein ganzes Wissen über die dreckigen Geschäfte die er mit Berlusconi, Sarkozy, Merkel (…)“ rechtfertigen, da aber jeder Artikel dieses Blogs vor solch gedankenlosen Formulierungen strotzt, ist derartiges nicht zu entschuldigen. Ich biete eine alternative, sehr gewagte Hypothese: Gaddafi befand sich in den Händen von bewaffneten Menschen, die er über 30 Jahre lang unterdrückt hatte, deren Familien und Freunde durch das monatelange Blutvergießen dezimiert waren und deren Köpfe einerseits mit überschwänglicher Ekstase, andererseits mit unendlichem Frust gefüllt waren. Der Ausgang war unvermeidbar.

Der stereotypischen Bezugnahme auf die Menschenrechte, die schon bei Bin Laden sehr schnell sehr seicht geworden ist, ergeht es im Falle Gaddafi nicht besser. Davon abgesehen, dass hier nicht ein Staat zur Verantwortung gezogen werden kann, sondern es die Aktion einer in sich anonymen Menge Rebellen war – hat ein Mensch tausende, unschuldige Menschen auf dem Gewissen und droht weiterhin Unmengen umzubringen ist er schlicht auszuschalten – zum Wohle aller. Ob tot oder lebendig spielt eine untergeordnete Rolle. Das gilt für Hussein und Gaddafi genau wie für Hitler, Stalin oder Mussolini. Das wunderschöne Paradoxon ist in diesem Falle, dass Herr Stauffenberg ein gefeierter Volksheld und Märtyrer ist, aber kein Hahn nach Hitlers Menschenrechten kräht. Mit Doppelstandards lebt es sich wohl leichter, kognitive Dissonanzen sind im Verschwörer-Alltag schließlich sowieso Gang und Gebe.

Ohnehin sind auch die anderen dargelegten Argumente in diesem Zusammenhang fragwürdig. Das Verhalten westlicher Politiker zu Tyrannen wie Gaddafi ist ohne Frage zu verurteilen, auf dieser Basis jedoch gegen die Intervention oder das Absetzen dieses Mannes zu sein ist höchst unmoralisch – weil in der Vergangenheit Fehler gemacht worden sind, haben wir das Recht verspielt, einer unterdrückten Bevölkerung doch noch zur Hilfe zu kommen? Viel eher ist es unsere Pflicht. Hinter dem Computer, mit einer Packung Chips, einer laufenden Heizung und der zehnten Wiederholung einer im Hintergrund rieselnden King of Queens Folge lässt sich gegensätzliches leicht sagen. Solchen Personen gönne ich aber von ganzem Herzen einen Monat Libyen-Urlaub.

Mit schwacher Rhetorik fährt der Autor des Artikels fort – „Ist das zum lachen? Laut Gesundheitsminister der „neuen libyschen Regierung“, sind in den sechs Monaten des Krieges 30’000 Menschen getötet und 50’000 verwundet worden. Ohne von der NATO „beschützt“ zu werden würden sie noch leben und das Land wäre nicht zerstört.“ Leider ist unser aller Lieblingsdespot für den Großteil dieser Verluste verantwortlich. Auch die NATO sorgte fraglos für zivile Opfer, diese sind in Kriegen jedoch nicht zu vermeiden. Der Unterschied liegt aber darin, dass die eine Seite bewusst das Ziel hatte, unschuldige Teile der Bevölkerung zu massakrieren, die andere Seite dies so weit wie möglich zu verhindern versuchte und ohne welche das Ausmaß um einiges schlimmer gewesen wäre. Ein Fünkchen Dankbarkeit wäre wohl zu viel verlangt.

Aber es hört nicht auf. „Klar, jetzt lacht Hillary, denn der Westen mit seinen Konzernen können sich die Beute holen, das Öl sich unter den Nagel reissen.“ So wie im Irak? Das Todschlagargument Öl ist inzwischen wirklich fad und vor allem zynisch.

Anschließend geht der Autor aber definitiv zu weit: „In Uganda sind bereits US-Truppen einmarschiert. Und die Begründung? Um Rebellen zu bekämpfen. Sehr witzig.“

Die Begrifflichkeit ist irreführend. Es wurden 100 (In Worten: hundert) US-Soldaten nach Uganda geschickt, um dem dortigen Militär in beratender Funktion zur Seite zu stehen. Er fährt fort, „Rebellen sind nicht gleich Rebellen. Mal sind sie Freiheitskämpfer, mal Terroristen. Mal werden sie unterstützt, mal bekämpft. Es kommt immer darauf an ob es Öl zu holen gibt und Uganda hat reichlich davon, sowie die Nachbarländer. Die US-Soldaten werden auch im Südsudan, Zentralafrikanische Republik und in die Demokratische Republik Kongo eingesetzt, wie Obama dem Kongress so nebenbei mitteilte. Er hat einfach ohne Erlaubnis einen neun Krieg in Afrika angefangen. Schliesslich ist er der Friedenspräsident mit Nobelpreis ausgezeichnet.“.

Ob die US-Soldaten auch in den drei anderen Staaten helfen hängt von der Zustimmung dieser Staaten selber ab. Von einem „neuen Krieg“ kann keine Rede sein. Die sog. Rebellen sind Söldner und Banditen der „Lord’s Resistance Army“, einer Miliz, die seit fast 30 Jahren Blut vergießt, um einen Gottesstaat auf Basis der zehn Gebote der Bibel einzuführen – einer Miliz, die über 20.000 Kinder entführt und versklavt hat. Diese menschenverachtenden Schlächter terrorisieren die besagten Staaten seit 25 Jahren, halten Mädchen als Sex-Sklaven und zerhacken und verbrennen zahllose Menschen bei lebendigem Leibe. Der Anführer dieser Organisation, Joseph Kony, ein gestörter, blutrünstiger Irrer der von sich unter anderem behauptet, Steine in Handgranaten verwandeln zu können, hält sich 50 „Ehefrauen“, die wegen der Krankheit AIDS alle Jungfrauen sein müssen und trennt Lippen, Nasen und Brüste der Bewohner der von ihm überfallenen Dörfer, ab. Gegen Ihn und vier andere Anführer der L.P.A. wurde vom Internationalen Strafgerichtshof Anklage erhoben, mitunter wegen Vergewaltigung, der Anstiftung zur Vergewaltigung, der Zwangsrekrutierung von Kindern und vorsätzlicher Angriffe auf die Zivilbevölkerung (33 Anklagepunkte insgesamt). Finanziert wird die Gruppe vom Sudan, welcher kein Unterzeichner des Abkommens des Internationalen Strafgerichtshofes ist, weil die Regierung Ugandas, welche Unterzeichner des Abkommens ist, dem Süd-Sudan im Kampf gegen die Theokratie in Khartum, welche den Genozid an schwarzen afrikanischen Muslimen in Darfur bezahlt, hilft.

Der Autor des Artikels sollte sich in Grund und Boden schämen. Wie kann er es wagen in dieser Form über dieses Thema zu schreiben, seine Leser derartig irre zu leiten und die Hilfen der Amerikaner zu verurteilen und auf Öl, ein Thema das damit in keinem Zusammenhang steht, als Vorsatz anzugeben. Ein solches Verhalten ist zutiefst unmoralisch und gewissenlos und lässt den wahren Charakter des Verfassers durchblicken.

Joseph Kony

Aber es geht munter weiter, so schreibt er „Libyen ist zum grossen Teil zerstört, Städte zerbombt und die Infrastruktur kaputt. Die Zivilbevölkerung lebt in Ruinen ohne richtige Versorgung.“. Nach 42 Jahren endlich eine Tabula Rasa, Libyens Bürger sind endlich frei und können erleichtert ausatmen. Anscheinend hätte der werte Herr wohl weitere 42 Jahre der Gaddafi-Dynastie bevorzugt. Es mag sein, dass nun in Libyen eine islamische Partei die Macht ergreifen wird, dass Ordnung im Land kaum existent ist und dass viele Aktionen der Rebellen selbst zu verachten sind. Aber: Durch den Tod Gaddafis sind Libyens Bürger nun endlich vollkommen von einer totalitären Herrschaft befreit.

Daraufhin zieht er den Vergleich mit, wie soll es anders sein, Irak. „Ja, das kennen wir vom Irak, dort hat auch der Westen gewütet und verbrannte Erde hinterlassen. Nach acht Jahren (…)“

Im Irak existiert nun eine Demokratie. Es gibt Bürgerinitiativen, Petitionen bezüglich der Mitglieder des Parlaments, Medien mit echter Berichterstattung, Millionen von Irakern die im Internet mitdiskutieren können und sogar säkulare schiitische und sunnitische Parteien die um die Gunst des kurdischen Blocks, der nun zum ersten Mal politisches Mitbestimmungsrecht hat, kämpfen. Unter Hussein hingegen war es sogar illegal, eine Schreibmaschine einzuführen, die kurdische Minderheit musste Angriffe mit chemischen Waffen und Massendeportationen ertragen und Abweichler hatten gar nicht erst den Luxus, vor Gericht zu stehen zu können. Offensichtlich hat sich also alles zum schlechteren gewandelt.

Das war aber noch lange nicht genug Schelte für den neokolonialen Hassstaat: „Und der nächste Kandidat wird schon ins Visier genommen. Hillary Clinton hat „sehr unverblümte“ Gespräche mit Pakistan geführt und den Druck auf Islamabad erhöht, die Schutzräume der Taliban auf ihrem Gebiet zu säubern, oder sonst!(…)“

Pakistan beheimatete mit Bin Laden den Anführer der Al-Quaida, und bietet ein warmes Zuhause für das Haqqani-Syndikat, welche mit Mullah Omar und seinen Taliban kollaborieren. Dies sind klare Verstöße gegen die vom UN-Sicherheitsrat am 12. September 2001 beschlossene Resolution 1368, welche Folgendes beinhaltet: „(…) stresses that those responsible for aiding, supporting or harboring the perpetrators, organisators and sponsors of these acts will be held accountable.“ Gleichzeitig kommt Pakistan in den Genuss von US-Hilfen, es handelt sich also um einen Terroristen beschützenden bipartisanen Staat erster Güteklasse.

Damit hört es aber nicht auf, „Tatsächlich geht es um einen Sturz der pakistanischen Regierung, damit eine prowestliche Marionette installiert werden kann. Das selbe Spiel wird fotgesetzt.“.

Tatsächlich geht es darum, die Haqqani-Unterschlüpfe, in welchen Afghanen re-talibanisiert werden und dafür gekämpft wird, dass Pakistan in seiner derzeitigen Form gestürzt wird, zu vernichten. Tatsächlich geht es darum, dass, wenn sich Pakistan nicht an Verträge hält, sie von den amerikanischen Geldern abgeschnitten werden müssen. Vor allem müssen sie als Verbündete von Mördern afghanischer und pakistanischer Zivilisten identifiziert werden.

Dass der Westen hinsichtlich seiner Interventionspolitik nur scheitern kann sollte wohl klar sein – greift er ein, ist er neoimperialistisch und nur am Öl interessiert, tut er es nicht ist er gewissenlos. Ich möchte kotzen. Hätte man die gewaltsame Annexion Kuwaits billigen sollen? Wäre es besser gewesen, die Kosovaren ihrem Schicksal zu überlassen? Sollte Hussein weiterhin die kurdische Minderheit im Irak mit Giftgas ermorden? Wäre es wirklich vertretbar gewesen, zuzuschauen, wie Gaddafi seine eigene Bevölkerung schlachtet? Der Pazifismus mag gewissen Menschen romantisch erscheinen, er hat aber ein unendliches großes Manko: Er ist bereit, jeden Wert, sei es Freiheit, Gerechtigkeit oder Schutz der Schwachen und Wehrlosen zugunsten der Friedfertigkeit zu verraten – er ist gegen das Töten, nicht aber das Sterben.

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